Preis - People/Emotion
Monica Menez
Nach Auffassung der Jury ist es der Autorin auf hervorragende Weise gelungen, bekannte Codes der Gebrauchsfotografie sowohl mit Kunst-Zitaten als auch mit Fundstücken der Alltagswelt neu zu organisieren. Das Model in Ihrer Serie “Sticker” scheint auf den ersten Blick standardisierten Vorstellungen vom weiblichen Körper zu entsprechen. Seine stereotype, der gängigen Modefotografie entliehene Oberfläche birgt jeoch zweierlei Irritationen: Wie ein textiles Muster überziehen ihn kleine Aufkleber, die man sie aus den Poesie-Alben junger Mädchen kennt. Man mag hierin zunächst ein Manifest jenes Trends sehen, der unlängst als “Girly” etikettiert wurde; die Ikonografie der Bilder verweist jedoch viel weiter zurück, etwa in den Symbolismus eines Fernand Khnopff und führt zu Franz von Stucks programmatischen Inszenierungen der Femme-Fatale. Erinnerungen an die Selbstportraits von Hannah Wilke aus den siebziger Jahren werden ebenfalls wach. Doch nicht die Fülle von Zitaten zeichnet die Arbeiten von Menez aus, sondern die unprätentiöse Art, Kunstgeschichte in das Genre der Modefotografie zu integrieren – mit Respekt und dennoch ohne falschen Anspruch.
Preis - Still Life
Sebastian van den Akker
Auch die nah einer Fotoinstallation angesiedelte Arbeit mit dem Titel “Oberflächlich” schöpft aus dem Ideen- und Formrepertoire der Bildenden Kunst. Während auf der ikonografischen Ebene das in Frotté-Material gefaßte Waschbecken an Skulpturen von Merret Oppenheim und Daniel Spoerri denken läßt, verweist die minimalistische Philosophie der Aufnahme selber eher an die Becher-Schule, insbeondere auf Jörg Sasse – ohne daß van den Akkersich damit dem Vorwurf des Epigonalen aussetzt. Die Feinheiten der Valeurs aufgreifend, bewegt er sich im Grenzgebiet zwischen Fotografie und Malerei. Im Unterschied jedoch zu den Materialbildern der “Arte povera” und erst recht zu vielen selbstverliebten Table-Tops der Katalog-Fotografie, ist hier ein hintergründiger Humor mit im Spiel.

Product in Use
Gabi Vogt
Die prämierte Aufnahme entstand während eines Aufenthalts als “Artist in Residence” in Rumänien, wobei die Autorin gnz offensichtlich mit Elementen der Bühnenbildässthetik arbeitet. Vor der dramatischen Kulisse dunkler Wolken und balkantypischer metallener Dächer befindet sich eine ausgeschlachteten Dacia. In der vielen Rumänen eigenen Mischung aus Hingebung und Achselzucken hat man sie notdürftig mit einer Plastikfolie zugedeckt, denn an einer erneuten Nutzung der Limousine – möglicherweise fernab ihrer ursprünglichen Funktion – ist nicht zu zweifeln. Die Autorin führt den Betrachter mit ihre Erzählung jedoch nicht in ein Labyrinth alltäglicher Verrichtungen, sondern überlagert die Szene mit einer kafkaesken Atmosphäre. Wir können die agierenden Personen nicht sehen, spüren aber ihre Gegewart um so deutlicher.

Nachwuchspreis
Joel Micah Miller
Die Befragung der Kunstgeschichte kommt hier am deutlichsten zum Ausdruck. Auf einer den Vordergrund beherrschenden, filigranen und zugleich erhabenen Brückenkonstruktion entdeckt man zwei Personen; “Two Generatins”, deren Blick über eine ruhende Wasserfläche schweift, nicht ohne durch einen sich von rechts in das Bild erstreckenden Landstreifen aufgefangen zu werden. Einer romantischen Stimmung im Sinne Caspar David Friedrichs ist kaum zu entrinnen. Der amerikanische Fotograf, Joel Micah Miller zeigt, dass die Spezifik einer solch historischen Konstruktion nicht an der heutigen Erfahrungsswirklichkeit scheitert, sondern in ihr aufgehen kann.


Zu den Preisträgern 2004/05